Auf einem guten Film

Ich stopfe eine Banane in mich rein. Freunde, nicht so wie ihr denkt. Eine echte Banane. Ich könnte auch einen Apfel essen, aber der liegt schon so lange rum, er mĂŒsste schon mehlig sein. Also esse ich die Banane. Dann gehe ich ins Schlafzimmer. Die TĂŒr geht immer schwer zu, ich achte umso mehr darauf, dass sie richtig geschlossen ist, obwohl ich vollkommen alleine bin. Komisch, wie schnell was im Haushalt fehlt, nur weil man plötzlich alleine daran denken muss, fĂŒr Nachschub zu sorgen. Warum ist zum Beispiel die Milch stĂ€ndig leer?
Beim Milchkauf begegnet mir immer wieder ein Ă€lterer Herr mit einem schwarzen Welpen. Wenn du wiederkommst, dann ist es kein Welpe mehr. Ich rechne nicht aus, wie viele Hundejahre du mich alleine lĂ€sst, aber wieso beschweren sich die Leute stĂ€ndig darĂŒber, wie kurz dieses Leben wĂ€re? Habt ihr etwa noch nie auf etwas gewartet?
13 Jahre reichen mir völlig aus fĂŒr ein Leben. In Menschenjahren ist das wahrscheinlich die Zeitspanne, die wir mit Vermissen verbringen. Ein ganzes Hundeleben. Jetzt habe ich ja doch gerechnet. Vielleicht sollte ich einfach ein Apfel sein, die meisten werden eh nicht gegessen und fĂŒhren ein kurzes, friedliches Apfelleben, sogar ganz ohne die Banane zu vermissen. Soll ich mal ausrechnen, wie viele Apfeljahre ich dich vermissen werde?

Es ist totenstill hier. Ich wĂŒrde Musik anmachen, aber das Gedudel hilft nur wenige Stunden und macht mich des NĂ€chtens nur emotional. Ich könnte den Fernseher einschalten, aber ich gucke nie Fernsehen. Wenn ich jetzt etwas tue, was ich sonst nie mache, dann könnte ich mich doch nicht weniger heimisch fĂŒhlen.

Wisst ihr, was der eigentliche Grund dafĂŒr ist, dass ich keine Filme gucken kann? Ich kann nie das Ende eines Filmes vorhersehen, weil ich die Art von Mensch bin, die unter der Vermeidung des Wortes sensibel, ein stehts debiler Konsument ist. Es kann noch so vorhersehbar sein, am Ende bin ich immer schockiert darĂŒber, dass der Typ eine AffĂ€re hatte und seine Frau gar nicht wirklich liebte. Wie kann er nur.
Was habe ich denn erwartet? Ein Film, in dem nichts passiert? Wo niemand allein gelassen wird, Welpen immer Welpen bleiben und der KĂŒhlschrank immer gefĂŒllt ist? Vielleicht wĂ€re das ja mal ein guter Film.

Und die blöde TĂŒr geht immer wieder auf.

6 Antworten auf „Auf einem guten Film“

  1. Nachts alleine Musik hören ist wirklich hochemotional. Bei meiner Bandbreite: Fliegen, abstĂŒrzen, aufschlagen – fliegen, abstĂŒrzen aufschlagen, immer wieder. Entspricht meinem Leben. Und das, obwohl ich seit Jahrzehnten ein vorwiegend glĂŒcklicher, hoffnungsvoller Mensch bin.
    Eine lange Lebensspanne bringt eben auch viele schmerzhafte Erlebnisse. Aber ich will sie auch nicht vergessen.
    Bisweilen wird auch mir das Erinnern in Kombination mit dem tĂ€glichen Wahnsinn der Welt zuviel.Mein Hirn verknotet, der Sinn kommt mir abhanden. Dann will ich alte, irgendwie saubere Filme sehen, am besten in schwarz-weiß oder Augsburger Puppenkiste, Michel aus Lönneberga usw.
    Filme mit Happy-End, die zugleich gut sind, schrÀnkt die Suche erheblich ein.

    GefÀllt 2 Personen

    1. Das ist fĂŒr mich eine Form von Weisheit, die man in seinem Leben erlangt; so viel zu erleben und mit dem Erlebten „im reinen“ zu sein. Mit sich selbst im Reinen zu sein, trotz allem. Das schafft glaube ich nicht jeder. 🙂

      Bei dem Vorhaben etwas „Schönes“ zu sehen, ist mir aufgefallen, dass schöne Filme auch sehr traurig machen können, aber immerhin nicht ganz so traurig, wie richtig traurige Filme. 🙂

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