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Ich würde gerne weinen, aber wenn man high ist, fühlt sich Weinen wie Kotzen an, weil da keine Tränen kommen, aber man trotzdem versucht sie rauszupressen. Fast wie Pinkeln auf E.

Zwischen Transstreet und Partymeile gibt es ein Stück Wiese, wo Männer aus allen Schichten stehen, und hinauf zu den Fenstern gucken, hinter denen man portraithaft die bunten Silhouetten aufreizender Transvestiten erkennen kann. Der Mann entscheidet nicht wen er kriegt, die Damen suchen sich ihren Kunden aus. Ich hätte mir auch vieles lieber ausgesucht, aber im Endeffekt kann man sich nur die Drogen aussuchen, mit denen man grade so alles erträgt, was man sich nicht ausgesucht hat. Jedes Mal wenn ich diese Straße passiere, bin ich mir unsicher, auf welcher Seite ich am besten gehe. Deshalb laufe ich immer einfach direkt auf der Straße. Irgendwo dazwischen.

Habe gestern das erste mal eine Halluzination gehabt. Da war Wasser im Waschbecken, beim zweiten Blick war es aber weg. Es war dreckig und schaumig. Ich stand noch gut 10 Sekunden wie versteinert im Badezimmer, bis ich kapiert hab, dass das was man sich aussucht, auch nicht immer die beste Wahl ist.

Ich hätte mich vielleicht irgendwann mal ganz für dich entscheiden sollen. Weiß nicht, wieso Entscheidungen schwer sein können, obwohl man weiß was man will.

Jetzt fühle ich mich dreckig und kann nicht mal weinen. Ich bin eigentlich immer irgendwo dazwischen, und da tut es ganz schön weh.

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Habe morgen Therapie. Das erste mal nach 3 Wochen. Eine Stunde klingt nach viel Zeit, aber das wäre es nicht, wenn ich ernsthaft auf ihre Fragen antworten würde. In einer einzigen Stunde sollen wir die Probleme der letzten Wochen besprechen? Puh. Meine Probleme sind live. 24/7. Wie ein Radiosender in meinem Kopf und meine Angst ist der Jingle, der vor jedem wichtigen Programm ertönt.

„Wie geht es Ihnen?“
„Hören Sie gerne Radio?“ Frage ich dann. Weil man sich eine Stunde gut über Musik unterhalten kann, aber ganz bestimmt nicht über meine Probleme.