Buntsterben

Tote Blätter riechen süß, obwohl aus ihnen die Bitterkeit für den Winter geboren wird. Der Tod riecht mild und ist bunt wie ein Blatt, das sich ohne Kraftaufwand von seinem Baum löst. Manchmal wären wir doch alle gern ein Blatt, das mit dem Wind tanzt. Löchrig und sterbend, aber bunt und süß dabei. Manchmal sind wir gerne süß. Wir wollen von kalten, starken Händen gefangen und bestaunt werden. Gegen die Sonne gehalten, und zwischen Buchseiten gepresst werden. Wo wäre ich lieber begraben als in einer Welt, in der ich wirklich gelebt hab. Heute bin ich süß und kaputt. Gelöchert von Traumaregen und Vergangenheitssturm. Von Krisenwitterung und milder Angst zerfressen. Konserviere mich zwischen Büchern, die mal unsere Mauern waren.
death

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(Das bin nicht ich, das ist Till Reiners, ein Kabarettist.)

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Mit diesem Foto möchte ich allen Männern Mut machen, die mit dem gleichen Problem zu kämpfen haben, wie ich: überbordende Männlichkeit. Jahrelang hat Kickboxen und Dosenbier meinen Alltag bestimmt. Es war ne geile Zeit. Aber irgendwann kannst Du das nicht mehr: Das viele Testosteron, Frauen, die dich auf Dein Aussehen reduzieren, der ständige Kick, das immer noch schnellere Flugzeug, unter das man sich schnallt, das viele Grillen von seltenen Tierarten mit GoPro auf dem Kopf: Es macht Dich müde. Heute habe ich Feelings für mich entdeckt. Ich laufe mit einem Einhornluftballon durch die Parks und bin frei. Ich streiche durch eine Blumenwiese und bekomme Gänsehaut. Neulich habe ich geweint, als mein Whiskyglas leer war. Ein tolles Gefühl. Innerlich loslassen, während deine Pranken die Krodel des Luftballons fest im Griff haben. Life is a Rollercoaster. I am a Rollercoaster. Keep on Rollin' #Alpha #HarteEmotionen #Unicornichon

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Auf einem guten Film

Ich stopfe eine Banane in mich rein. Freunde, nicht so wie ihr denkt. Eine echte Banane. Ich könnte auch einen Apfel essen, aber der liegt schon so lange rum, er müsste schon mehlig sein. Also esse ich die Banane. Dann gehe ich ins Schlafzimmer. Die Tür geht immer schwer zu, ich achte umso mehr darauf, dass sie richtig geschlossen ist, obwohl ich vollkommen alleine bin. Komisch, wie schnell was im Haushalt fehlt, nur weil man plötzlich alleine daran denken muss, für Nachschub zu sorgen. Warum ist zum Beispiel die Milch ständig leer?
Beim Milchkauf begegnet mir immer wieder ein älterer Herr mit einem schwarzen Welpen. Wenn du wiederkommst, dann ist es kein Welpe mehr. Ich rechne nicht aus, wie viele Hundejahre du mich alleine lässt, aber wieso beschweren sich die Leute ständig darüber, wie kurz dieses Leben wäre? Habt ihr etwa noch nie auf etwas gewartet?
13 Jahre reichen mir völlig aus für ein Leben. In Menschenjahren ist das wahrscheinlich die Zeitspanne, die wir mit Vermissen verbringen. Ein ganzes Hundeleben. Jetzt habe ich ja doch gerechnet. Vielleicht sollte ich einfach ein Apfel sein, die meisten werden eh nicht gegessen und führen ein kurzes, friedliches Apfelleben, sogar ganz ohne die Banane zu vermissen. Soll ich mal ausrechnen, wie viele Apfeljahre ich dich vermissen werde?

Es ist totenstill hier. Ich würde Musik anmachen, aber das Gedudel hilft nur wenige Stunden und macht mich des Nächtens nur emotional. Ich könnte den Fernseher einschalten, aber ich gucke nie Fernsehen. Wenn ich jetzt etwas tue, was ich sonst nie mache, dann könnte ich mich doch nicht weniger heimisch fühlen.

Wisst ihr, was der eigentliche Grund dafür ist, dass ich keine Filme gucken kann? Ich kann nie das Ende eines Filmes vorhersehen, weil ich die Art von Mensch bin, die unter der Vermeidung des Wortes sensibel, ein stehts debiler Konsument ist. Es kann noch so vorhersehbar sein, am Ende bin ich immer schockiert darüber, dass der Typ eine Affäre hatte und seine Frau gar nicht wirklich liebte. Wie kann er nur.
Was habe ich denn erwartet? Ein Film, in dem nichts passiert? Wo niemand allein gelassen wird, Welpen immer Welpen bleiben und der Kühlschrank immer gefüllt ist? Vielleicht wäre das ja mal ein guter Film.

Und die blöde Tür geht immer wieder auf.

Eleutherophilie

Ich versuche mich selbst festzuhalten, aber ich weiß nicht wie das geht.

Wenn man sich selbst verletzen möchte, dann ist das gar nicht mal so einfach wie man denken würde… sich selbst Kitzeln klappt schließlich auch nicht so gut. Wenn man sich selber anschreit, und schon weiß was kommt, dann bleibt der Backpfeifeneffekt aus. Vielleicht sucht man sich deshalb manchmal ganz merkwürdige Wege, damit andere das für einen übernehmen.

Natürlich macht einen das zu einem Einzelgänger. Die Art von Einzelgänger, die anderen von grenzenloser Freiheit vorschwärmen, nach der sie sich verzehren, aber eigentlich die Einsamkeit meinen, die sie gefangen hält. Freiheit kann man so gut als Glück verkaufen, aber wo ist jemand, der dort auf dich aufpasst, wenn du dich nicht einmal selbst festhalten kannst?

Insomnia

Mein Sichtfeld ist begrenzt zwischen meinen Augen, die sich klein und geschwollen anfühlen. Das Blut rauscht ganz warm in meinen Ohren. Meine Muskeln sind Schaumstoff und ich drücke mich. Mein Körper ist kräftig, aber er kann mich kaum nach Hause tragen. Mein Herz marathoniert in einem schlafendem Körper. Ich blogge? Wie kann es sein, dass ich Texte schreibe, fällt mir doch grade nur mit Mühe mein Name ein. Das passiert mit dir wenn deine Depression 24 Stunden schlafen will, aber deine Angst 24 Stunden wach ist. sleep